Eine neue Studie der University of California Riverside zeigt, dass schwarze und lateinamerikanische Teenager deutlich bessere digitale Kompetenzen aufweisen als ihre weißen Altersgenossen, wenn es darum geht, rassistisch motivierte Desinformation im Internet zu erkennen und darauf zu reagieren.** Dieses Ergebnis stellt frühere Annahmen in Frage und unterstreicht die entscheidende Rolle gelebter Erfahrungen bei der Entwicklung dieser Fähigkeiten.
Die Desinformationslandschaft und warum sie wichtig ist
Die Verbreitung falscher Narrative und rassistischer Propaganda auf Social-Media-Plattformen wie X (ehemals Twitter) und KI-gesteuerten Tools wie ChatGPT hat ein toxisches digitales Umfeld geschaffen. Hierbei handelt es sich nicht nur um Einzelfälle; Die Verbreitung von Desinformation untergräbt das Vertrauen in Institutionen, schürt soziale Spaltung und kann in der realen Welt Schaden anrichten. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt besonders relevant, da US-Schulen mit Gegenreaktionen für den Unterricht über kritische Rassentheorie konfrontiert sind und eine Lücke in der formalen Bildung in Bezug auf rassistische Aspekte der Online-Manipulation entsteht.
Wichtigste Ergebnisse der Studie
Die Forscher Avriel Epps und Brendesha Tynes analysierten das digitale Verhalten von über 100 schwarzen, lateinamerikanischen und weißen Jugendlichen und verfolgten, wie sie mit rassenbezogenen Inhalten interagierten. Die Ergebnisse zeigten ein klares Muster:
- Schwarze und lateinamerikanische Teenager erkannten eher falsche oder rassistische Behauptungen.
- Sie haben Informationen vor der Weitergabe aktiv bei glaubwürdigen Quellen überprüft.
- Sie reagierten auf Desinformationen mit faktenbasierten Korrekturen.
Dieses Phänomen, das als „Critical Race Digital Literacy“ (CRDL) bezeichnet wird, ist nicht das Ergebnis angeborener Intelligenz, sondern vielmehr der kumulative Effekt der Navigation in einer Welt, in der rassistische Mikroaggressionen und systemischer Rassismus an der Tagesordnung sind.
„Sie haben diese entscheidenden Fähigkeiten aus ihren gelebten Erfahrungen im Umgang mit Online-Rassismus entwickelt, nicht unbedingt aus dem schulischen Unterricht.“ – Avriel Epps, Assistenzprofessorin an der UC Riverside
Warum die bestehende Bildung das Problem nicht angeht
Traditionelle Medienkompetenzprogramme in Schulen übersehen oft die rassistische Dimension von Desinformation. Dies ist ein kritisches Versehen, da weiße Teenager, die seltener Opfer von digitalem Rassismus sind, nicht das gleiche Maß an Wachsamkeit entwickelt haben. Sie mussten einfach nicht so bewusst oder anspruchsvoll sein.
Die Studie unterstreicht, dass gelebte Erfahrungen wirkungsvolle Lehrmittel sind. Schwarze und lateinamerikanische Teenager haben gelernt, in digitalen Räumen „überaus wachsam“ zu sein und Informationen ständig auf Voreingenommenheit und Ungenauigkeit zu prüfen.
Implikationen für Pädagogen
Das Forschungsteam betont, dass eine kulturgerechte Pädagogik in allen Disziplinen, einschließlich der digitalen Kompetenz, von wesentlicher Bedeutung ist. Einfach ausgedrückt: Um effektiv zu sein, muss der Unterricht die Lebensrealität der Schüler widerspiegeln.
Die Autoren der Studie befürworten die Integration von CRDL-Unterricht in die Lehrpläne der Schulen und erkennen an, dass schwarze und lateinamerikanische Jugendliche diese Arbeit bereits für ihre Gemeinden leisten. Das Ziel besteht nicht darin, neue Fähigkeiten aufzuzwingen, sondern bestehende Stärken anzuerkennen und auszubauen.
Letztendlich unterstreicht diese Forschung die Notwendigkeit eines differenzierteren Verständnisses der digitalen Kompetenz und erkennt an, dass eine effektive Navigation in Online-Räumen nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch ein kritisches Bewusstsein für soziale und rassische Dynamiken erfordert.
